Ein weiterer wichtige Faktor im Mysterien-Schultraining ist die Achtsamkeit im Ritual. Der Einfluss des Rituals ist in sich dreifach. Zuerst ist da die Vorstellung von der Bewegung der Kosmologie, wie sie in der Ritualsymbolik dargestellt wird. Diese physiologische Vorstellung scheint unsere fehlerhaften unterbewussten Konzepte dessen, was und wer wir sind, richtig zu stellen.
Teil 3 von 3 / Vortrag, gehalten in der Perseus Loge Zürich
Ein schöpferisch inspiriertes Ritual spricht die Seele des Menschen an, und die Seele hört zu. Sie sagt: „Mensch, dies ist das, was du bist und was ich durch dich tue.“ Der Seelenkontakt im Ritual hat auf den Teilnehmer eine besondere Wirkung, die selten als das, was er wirklich bewirkt, erkannt wird, schon gar nicht am Anfang des Ordensweges. Der Seelenkontakt im Ritual führt zum Frieden durch Achtsamkeit. Es ist dann gerade so, als ob der Mensch in sich selbst ruht und der inneren Stimme ein willig Ohr leiht. Er beginnt an der Oberfläche und geht immer tiefer, bis Tiefe und Höhe ihre Bedeutung verloren haben und jeder Massstab verschwindet.
In diesem Zustand herrscht vollkommener Friede – keine Genügsamkeit, die durch Befriedigung entstanden ist – sondern ein Friede, der Ordnung, Schönheit und Kraftfülle in sich trägt.Bei der Teilnahme an Ritualen nehmen wir erstaunlich einheitlich wache, aber ruhig empfangende Haltungen bei den Mitgliedern wahr, was darauf hinweist, dass sie ihre persönlichen Ausdrucksformen während des Rituals beiseite getan haben. Ich habe nie jemanden gesehen, der sich während eines Rituals gelangweilt in seinem Sessel räkelte. Dabei mal einzuschlafen zeugt von einer grossen körperlichen Entspannung.
Wie erreicht man im Ritual den Zustand der Achtsamkeit?
Für eine perfekte Achtsamkeit braucht es die körperliche Entspannung und die gleichzeitige wache Bewusstheit. Dies entspricht in etwa dem Zustand eines Wachtraumes. Mehr dazu im 2. Teil über Achtsamkeit.
Die Mitglieder sollten ihre Äusserlichkeiten durch das Stillwerden bereits an der Tür des Innenraumes abgeben. Dies scheint ohne persönliche Anstrengung erreichbar zu sein. Schon durch die Atmosphäre des Innenraums scheint diese wache, ruhige Empfänglichkeit ein Zustand der Achtsamkeit zu sein, der automatisch eingenommen wird.Je nach seiner Achtsamkeit bekommt jeder Schüler genau das an Unterstützung, Inspiration und Aufgaben durch die innere Stimme, was er auf seiner Reise braucht. Alle werden in genau die richtigen Umstände, für das, was sie entfalten sollen, gesetzt.
Die sogenannte innere Erfahrung eines Individuums durch Achtsamkeit entwickelt Stärken, die nur auf diesem Weg erlangt werden können.
Alle auf diesem Pfad sind Teile einer inneren Erfahrung, und jedes Mitglied partizipiert am Wachstum aller. Deshalb ist die Anwesenheit möglichst aller Mitglieder so wichtig. Als Mensch mit seinem Pfad zufrieden zu sein, ist der Weg des grössten Fortschritts. Strebe dort, wo du bist, nach bewussterer Wahrnehmung statt nach exotischen, phänomenalen Erfahrungen.
Der dritte Einfluss der Ritualausbildung durch die Mysterien-Schulen ist die Projektion sehr feinsinniger und daher kraftvoller Energien von nicht sichtbaren Mitgliedern der Inneren Schule, die mit einem bestimmten Teil des Rituals durch Evokation verbunden sind.
Diese Projektion hängt von folgenden Faktoren ab:
Die Ausführung dieser drei Faktoren durch den Mitgliederkreis begründet das Ambiente der Loge. Die Projektion der Energien der Inneren Schule auf die teilnehmenden Mitglieder der Innenloge hängt vollkommen von der Qualität dieses Ambiente ab. Diese stützende, ermutigende Projektion der Inneren Schule kann bei jeder Logensitzung und bei jeder Durchführung ihres Rituals anders sein, je nach dem wie die Innere Schule die Gruppenbedürfnisse und das Level der Empfänglichkeit einschätzt.
Das sind die grundlegenden Ausbildungseinflüsse durch Achtsamkeit im Orden. Was die Logen bei aller gebotenen Wichtigkeit nicht tun sollten, ist das rigide, pedantische Durchsetzen von Regeln und Verhaltensmassnahmen. In einer Mysterien-Schule sollte die Form nie für wichtiger gehalten werden als der Inhalt, da das letztlich bei einigen Schülern Entfremdung vom Orden und bei anderen Mitgliedern zerstörerisches Nacheifern hervorrufen wird.
Die Führung einer Mysterien-Schule sollte fest in dem Prinzip verankert sein, dass das Leben selbst-korrigierend ist und dass nur eindeutig störendes Verhalten in Logenversammlungen freundlich aber konsequent korrigiert werden sollte. Wenn diese freundliche aber konsequente Haltung ständig von der Führung gezeigt wird, reduziert das auch das beobachtende Kritisieren des Verhaltens Anderer an der Basis.
Selbst-Disziplin sollte anstelle der durch die Führung auferlegten Disziplin das nachahmenswerte Beispiel sein. Erklärungen und Erinnerungen an die Bedeutung dieser Prinzipien des Ordens sollten nur periodisch erfolgen oder wenn neue Mitglieder in die Gruppe eintreten.
Das SELBST ist, durch Achtsamkeit, der einzige Lehrer.
Liebe Zuhörende, ich danke Euch herzlichst und freue mich auf die nachfolgende Diskussion.