Der Sinn einer Mysterienschule liegt in der Befreiung von der Illusion des Getrenntseins. Die innere Realität wird durch Achtsamkeit auf bestimmte Rituale erwirkt. Die Bewegung des Kosmos, durch Symbole, wird im Ritual dem Bewusstsein präsentiert. Die Seele, das Unterbewusstsein und das Bewusstsein werden durch ein schöpferisch inspiriertes Ritual über den Zustand der Achtsamkeit wieder in Einklang gebracht.
„Was genau ist der Sinn mittels Achtsamkeits-Methode in der Ausbildung einer Mysterien-Schule?“
Eine gute Frage, denn das was und wie wir in einer Mysterien-Schule lernen, ist überhaupt nicht so wie die „Ausbildung“, die wir in den öffentlichen Schulen erhalten. Das allgemein bekannte Konzept besagt, dass man zur Schule geht, um eine „Ausbildung“ zu erhalten, und dann geht es an die Arbeit in der "realen Welt".
Jene Gründer, die eine Mysterien-Schule erschaffen und führen, verstehen, wie das Bewusstsein in der sogenannten „realen Welt“ arbeitet, und ihre Methoden nutzen dieses Wissen. Wenn ich also von der Ausbildung des Menschen spreche, meine ich nicht die Technischen-, Computer- und Kommunikationsfertigkeiten, die wir in den öffentlichen Schulen lernen; ich meine die Ereignisse, Ideen und Vorstellungen, die unsere Einstellungen uns gegenüber, unseren Mitmenschen, unserer Herkunft und unserer Lebenserfahrung gegenüber prägen.
Die Probleme in unserem Leben entstehen, weil wir diese prägenden Erfahrungen fast nur anhand der vordergründigen Erscheinungsform interpretieren und diese Erscheinungsform scheint uns von allen anderen zu trennen – die grosse Ausbildungsillusion des Egos bzw. des vordergründigen Ichs. Der Sinn der Mysterien-Schulausbildung besteht darin, diese fehlerhafte Interpretation zu berichtigen. Ganz einfach, die Mysterien-Schulen lehren ihre Schüler, die Realität hinter den Erscheinungsformen zu sehen, den Weg der Selbsterkenntnis, weiterblickend zu sein, also Druide zu sein.
Die Bildungseinflüsse des Menschen, die seine Verhaltensmuster bestimmen, wurden hauptsächlich durch visuelle Eindrücke erlernt. Wir beobachten unsere Altersgenossen, Eltern und Lehrer und eifern eher dem nach, was sie tun, als dem, was sie sagen. Der Mensch tendiert dazu, in seinem nacheifernden Verhalten ein Kopierer zu sein. Die Mysterien-Schulen sind sich dieser Tendenz voll bewusst und verwenden sie in ihren Achtsamkeits-Methoden zur Berichtigung der Erfahrungsinterpretationen ihrer Schüler.
Der erste Schritt durch Achtsamkeit in der Ausbildungsmethode der Mysterien-Schule besteht darin, dem Schüler die Prinzipien der spirituellen Kosmologie, dessen was und wer wir sind, zu präsentieren. Dies wird dem Schüler durch Rituale und mündliche Vorträge mitgeteilt. Das ist die Skelettstruktur der inneren Realität des Seins, die jeder Schüler durch persönliche Erfahrung mit Inhalt versehen muss. Jeder muss sich die Realität durch Versuch und Irrtum beweisen. Die Meinungen und Erfahrungen anderer Mitglieder mag dazu ermutigend sein, kann aber nicht für unser eigenes Bedürfnis nach Beweisen stehen.
Der nächste Schritt durch die Achtsamkeit, der mit den Ritualen und Vorträgen einhergeht, folgt dann ziemlich automatisch, der Schüler muss dafür nicht direkt instruiert werden. Die Mitschüler und Lehrer der Mysterien-Schule werden dann genau, aber normalerweise unbewusst, dahingehend beobachtet, inwieweit sie diese Lehre des Ordens in Art und Umfang umsetzen. So beginnt das Nacheifern beim Beobachter bzw. Schüler, da jedes Mitglied immer auch Schüler ist.
Wenn die erfahrenen Mitglieder relaxt, erdgebunden, unpedantisch und humorvoll hinsichtlich ihrer eigenen Schwächen sind, läuft das Nacheifern aller Schüler in ähnlichen Bahnen, und die Erkenntnis sowie das Wissen wird automatisch grösser. Das sind einige der wichtigsten Führungsqualitäten im Orden, nicht das intellektuelle Begreifen der Kosmologie der Mysterien-Schule. Das ist zwar wichtig, aber in seinem Einfluss sekundär.
Liebe Zuhörende, ich danke Euch herzlichst und freue mich auf die nachfolgende Diskussion.